Fotoshooting Life Reisen

One Summer’s day – mit Verena Jackstein

„Was passiert, wenn man alles zurücklässt und sich selbst und dem Rest der Welt stellt. Was passiert, wenn man auf sein Herz hört, seinen Instinkt und sich davon leiten lässt. Was passiert, wenn man keine Lust auf normal hat, sein eigenes Ding durchzieht, den eigenen Weg geht. Den Mut zu haben, über den Rand zu springen und darüber hinaus.“ Dieses Zitat passt wohl perfekt zur Verena. Sie ist eine Weltenbummlerin, sie kann witzig sein, sie kann ernst sein, sie ist ein guter Zuhörer, sie ein Chaot und eine gute Freundin. Man kann nebenbei noch perfekt mit ihr chillen. Verena habe ich ganz zufällig auf meiner letzten Reise getroffen und wir haben eine tolle Zeit auf Koh Tao zusammen verbracht. Was mich sehr an ihr begeistert hat war ihr Schreibstil, ihre Ansichten und Denkweisen. Ich habe sie gefragt ob sie nicht Lust hätte für einen Blogeintrag einen Text zu verfassen, ohne irgendwelche Einschränkungen oder Vorgaben von mir. Bilder, Titel und Musik von mir, der Text von Verena, danke dir dafür. Mehr von ihr findet ihr übrigens auf www.onedaybaby.de

 

Die Wellen schlagen gegen das Riff, das sich unter seinem Bungalow befindet. Ich höre sie rauschen. Und die Sonne, die scheint so hell auf das Bett, dass ich blinzeln muss.

 

„You do your thing. And I do mine“, höre ich ihn sagen. Und ich blinzele noch mehr.

 

Ich mache mein Ding und du machst deins. Nicht gerade die Worte, die eine Frau in den Armen eines Mannes hören möchte. Vor allem nicht wenn es sich bei der Frau um mich handelt. Ich neige nämlich zu einer latenten Emotionalität und interpretiere gerne in jedes Wort etwas hinein. Auch in jedes nicht gesagte Wort. Was bedeutet das, frage ich mich. Acht Worte, die alles bedeuten können. Oder eben auch gar nichts. Und mein Gedankenkarussell fährt Achterbahn.

Später, als ich den Weg von seinem Bungalow zurückgehe, laufe ich am Meer entlang. Ich suche Schatten unter Palmen und hüpfe Barfuß in die Wellen. Ein Grinsen breitet sich über mein Gesicht und ich frage mich, was das eigentlich ist zwischen uns. Ich frage mich, wohin es führt und ob daraus mehr werden könnte. Was will er? Denkt die unsichere Verena. Was will ich? Denkt die unabhängige Verena. Ich will mich selbst nicht verlieren, denken beide. Ich möchte meine Mitte nicht verlieren. Eine Mitte, die ich die letzten Monate während meiner Reise aufgebaut und gefunden habe. Eine Mitte, die mich unabhängig, frei und sicher fühlen lässt. Sicher in mir. Und da steht er nun: Ein Mann, der in mir Gefühle weckt. Der in mir eine Sehnsucht weckt. Und gleichzeitig nach Unsicherheit schreit. Und meine Mitte, die bekommt Risse. Denn so schön es auch ist um die Welt zu reisen und sich selbst zu finden, es schafft auch Schutz. Und Schutz führt schnell zu Distanz. Wir fühlen uns stark, unabhängig, frei. Wir reisen von A nach B, wenn uns B nicht gefällt gehen wir zu C über. Und wenn C nichts taugt, dann probieren wir es eben mit D. Wir wechseln Orte und Lebensumstände so oft, dass wir es easy vermeiden können, Menschen so wirklich an uns heran zu lassen. Menschen, die in uns Gefühle auslösen. Aus Angst unsere Unabhängigkeit zu verlieren, machen wir zu. Aus Angst, verletzt zu werden, mache ich zu.

Wir gehen keine Comittments ein, wir leben die Unverbindlichkeit, die wir zu Hause so kritisieren. Wir lechzen nach dem Unbekannten in der Ferne, aber fürchten zugleich die Veränderung in der Tiefe. Ich komme nicht umhin mich zu fragen: Wie behalten wir unser Gleichgewicht? Wie können wir ein selbstbestimmtes Leben und eine Beziehung mit einem anderen Menschen unter einen Hut bekommen? Stets in unserer Mitte. Gibt’s dafür vielleicht einen Beipackzettel? Wenn ja, ich hätte ihn gerne. Ich bin ja bereit mich aus dem Fenster zu lehnen, aber fallen möchte ich auch nicht. Ich schaue aufs Meer, der Himmel färbt sich langsam orange und das Meer rauscht in seinem eigenen Tempo vor sich hin. Vielleicht sollte ich mal ein bisschen Yoga machen, beten. Wie es uns Julia Roberts in Eat, Pray, Love so schön vormeditiert. Behalte ich dann meine Balance, frage ich mich. Anstatt zu meditieren verfalle ich zurück in mein Gedankenkarussell. Dass sich zunehmend in ein Gedankenlabyrinth verwandelt. Ich denke an ihn. Und anstatt etwas zu riskieren stelle ich Annahmen, wie: Aach, der will doch eh nur Spaß, der will nix Ernstes. Die gleiche Nummer zieht er mit der halben Insel ab. Einen Beweis dafür habe ich nicht. Es ist meine Schlussfolgerung, die ich ziehe – aus dem einzigen Grund um mich selbst zu schützen. Denn gefragt habe ich ihn nie. Die Angst, meine Unverbindlichkeit in eine Verbindlichkeit zu verwandeln, ist zu groß. Es ist offiziell: Ich bin ein Schisser.

 

Julia Roberts kämpft am Ende des Filmes mit derselben Frage. Dass sie Angst hat, ihr Gleichgewicht, für das sie eine lange Strecke zurückgelegt hat, zu verlieren. Ketut, ihr Meditations Guru antwortet daraufhin:

 

„Wegen Liebe Gleichgewicht verlieren, ist oft Teil von Leben in Gleichgewicht.“ Daraufhin schwingt sich Roberts auf ihr Fahrrad und fährt ihrem Liebhaber quasi direkt in die Arme. Plus obligatorischem Sonnenuntergang. So ganz schlau werde ich aus diesem Ratschlag zwar nicht, aber was ich daraus ziehe ist Folgendes: Vielleicht behält Ketut Recht und es gehört im Leben dazu aus dem Gleichgewicht zu geraten. Ebenso sich selbst zu hinterfragen, mal ins Wanken zu geraten um dann wieder seinen Weg zurück zu finden. Es ist doch so: Wenn wir nichts riskieren, uns nicht öffnen, sind wir nicht lebendig. Und wenn wir uns nicht lebendig fühlen, dann sind wir auch nicht in unserer Mitte. Die Welt um uns herum ändert sich ständig und ich glaube, wir dürfen unserer Angst nicht blind vertrauen. Es ist okay Angst zu haben. Genauso wie es okay ist, für sich selbst einzustehen, Grenzen zu setzen und nach seinem Rhythmus zu leben. Wahrhaftig zu uns und unseren Bedürfnissen zu stehen, unsere Werte zu vertreten. Und das gegenüber unserer Person. Ich denke darum geht es. Sich selbst treu zu bleiben. Den Mut zu haben, seine eigenen Wünsche zu äußern und seine Schwächen zu zeigen. Wenn wir es schaffen diese Authentizität zu leben, ich glaube, dann kann uns unser Gegenüber vielleicht mal zum torkeln bringen, aber nicht zum fallen.

Wir wollen alle etwas fühlen. Wir wollen uns zu Menschen verbunden fühlen. Und das ist so wunderschön. Denn wenn ich eines weiß, dann das wir so viel zu geben haben. Wenn es für immer ist, ist es wunderbar. Wenn es nur für den einen Moment ist, ist es ebenso wunderbar. Und wenn wir auf die Nase fallen, dann lasst uns gemeinsam fallen. Und gemeinsam wieder aufstehen. Geben wir unserem Gegenüber die Chance, uns zu sehen, so wie wir sind. Denn wenn wir uns das trauen, dann sind wir genau in unserer Mitte.

 

Verena Jackstein // www.onedaybaby.de

 

Vielleicht magst du auch

Keine Kommentare

Hinterlasse eine Antwort