Life Reisen

neue und alte Träume

Jeder von uns hat Träume oder Wünsche die er sich im Leben erfüllen möchte. Es sind kleine wie glücklich sein, eine Familie zu haben oder große Pläne wie mit einem Schiff über das Meer segeln. Viele von diesen Zielen verfolgen uns ein Leben lang, manche nur einen kleinen Abschnitt davon, andere wiederum haben wir am nächsten Tag wieder vergessen. Auch wenn wir diese Träume für einige Zeit vergessen haben und diese uns doch noch einholen und wir uns fragen: „was wäre wenn?“ . Vor einigen Jahren hatte ich auch so einen kleinen Traum, mich hat die Reisesucht gepackt und ich habe mir Stift und Papier in die Hand genommen und Google Maps geöffnet. Ich schaute mir die große, schöne Welt an und schrieb mir eine Liste mit wunderbaren Orten aus der ganzen Welt auf die ich gerne besuchen möchte. Da waren exotische Länder wie Kambodscha, Japan oder Laos zu lesen. Dabei erstellte ich die Liste ohne bestimmte Kriterien, von einigen Ländern hatte ich schon auf Reiseblogs gelesen oder aus Dokumentationen erfahren. Diese Liste war sehr lang und könnte einen eigenen Blogeintrag füllen. Ich machte mir als kleine Aufgabe hinter jedem Land einen Haken zu setzen, ich wollte gerne jeden Ort auf diesem Blatt besuchen und die Kulturen dahinter kennenlernen. An sich ein wunderbarer Gedanke bei dem auch Erinnerungen entstanden sind an denen ich mein Leben lang zurückdenken werde. So bin ich um 5 Uhr morgens aufgestanden um mit meiner Schwester am Gullfoss Wasserfall in Island sein zu können, hörte kostenfrei einem Streichquartett eines Nobel Restaurants in Venedig zu oder bekam ein Geschenk von fremden Japanern zu Nikolaus. All diese ganzen Erinnerungen prägen einen und das ist auch gut so. Reiseblogger oder Weltreisende die sehr lange am Stück unterwegs sind berichten immer wieder von der Reisemüdigkeit, man ist irgendwann nicht mehr ganz mit Herz bei der Sache und ist geblendet von den verschiedenen Eindrücken. Man hat irgendwann „genug“. Sowas in der Art hat wohl auch die Liste mit mir gemacht. Ich habe immer schneller mein Zuhause vermisst, meine Freunde und meine Familie. Kürzere aber intensivere Reisen wurden auf einmal spannender als 2 Monate durch die Welt zu bummeln. Jeder der noch nie länger gereist ist wird diese Erfahrung sicherlich lieben, allerdings wird das wohl nichts mehr für mich sein. Ein Traum hat sich ausgeträumt und ein neuer Traum beginnt. Einfach dahin reisen wohin das Herz es sagt. 

Letztes Jahr habe ich davon geträumt das ich alleine nach Venedig gehe und diese Stadt ganz für mich alleine entdecke. Ich träume schon immer sehr viel und habe das Glück das ich mich an Träume gut erinnern kann.  Ein Jahr lang habe ich hin und her überlegt und 4 Tage vor Abreise habe ich den Flug einfach gebucht und ich war unglaublich aufgeregt. Ich freute mich unendlich auf den Tag und es kam mir so unrealistisch vor das ich diese Stadt endlich alleine besuchen würde. Jeden Abend Pizza schlemmen, den ganzen Tag Fotos machen und geiles Licht suchen. VENEDIG ICH KOMME. 

Ich sitze genau da wo ich vor einigen Jahren auch gesessen war, nur diesmal war es kein heißer Sommertag wie vor einigen Jahren. Die Sonne scheint an diesem Tag in Venedig nicht und es weht ein leichter Wind vom Meer der Gänsehaut verursacht. Ich mag die Meeres Brise und endlich fühlt es sich an wie ein warmer Frühlingstag. Auch meine liebste Schwester war nicht bei mir, allerdings genoss ich die Ruhe. Ich schaue auf den wunderschönen Grand Canal und beobachte das Treiben, jeder scheint dabei so beschäftigt zu sein. In meinen Ohren spielt Bon Iver, es ist Mittagszeit und ich bin seit halb 6 Früh wach. Eigentlich hatte ich so gar kein Bock so Früh aufzustehen um den Sonnenaufgang zu sehen, aber laut „best spots to see venice“ war dies eine Erfahrung die das Leben verändert.  Nun gut, also habe ich brav auf meinen Wecker gehört. Der Himmel war schon blau gräulich und es war kein Mensch auf den Straßen unterwegs, alle Läden hatten geschlossen und Venedig sah auf einmal so anders aus. Es kam mir sehr sonderbar vor durch die leeren Gassen zu laufen. Mein kleines aber hübsches Hotel lag direkt zwischen der Rialtobrücke und dem Markusplatz, somit hatte ich keine 10 Minuten zu Fuß zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Ich lief durch die Straßen und kam mir vor wie bei Maze Runner, mitten in einem Labyrinth. Es hatte etwas gruseliges Venedig so leer zu sehen. Am Markusplatz erwartete mich Menschenleere und einsame Ruhe. Wenn man alleine an so einem Ort ist und die passende Hintergrundmusik im Ohr läuft, dann kommt einem so eine Szenerie vor wie ein Kinofilm. Nur ein chinesischer Fotograf war mitten auf dem Platz, der mit mir Fotos machte. Ich lief über den Markusplatz und wartete auf das ersehnte Morgenlicht. Der kalte Wind umarmte mich und lies die versprochenen 15 Grad wie 5 wirken. Die Morgensonne versteckte sich hinter Wolken und es war eher ein unspektakulärer Sonnenaufgang, ab und zu lies sie ein paar wenige Sonnenstrahlen durch. Aber den Markusplatz ohne Menschen zu sehen war dafür ein noch viel größeres Erlebnis, wenn man kurz nach dem aufstehen sowas wahnsinniges erlebt dann kommt man sich so vor als würde man einfach weiter träumen. Ich lief am Wasser entlang und genoss die leichte Sonnenstrahlen. „Venedig i love you“, dachte ich mir. Dabei verbrachte ich eine Stunde rund um den Platz und schaute zu wie eine touristische Stadt zum Leben erwacht, die Straßen wurden noch gereinigt und dabei strömten die ersten Menschen auf den Markusplatz um das beste Instagram Foto zu machen. Die feuerrote Sonne grüßte mich kurz für ein paar tolle Fotos bis sie hinter dichten Wolken verschwand. Nach dem Frühstück lief ich weiter weg von San Marco, ich fotografierte viel und lag die Kamera irgendwann weg um einfach mal abzuschalten. Der ganze Tag bestand aus sehr viel laufen, schon lange habe ich meine Füße nicht so sehr gespürt wie an diesem Dienstag. 42000 Schritte zeige meine App an. Noch nie davor war ich im Bezirk Cannaregio und es stellte sich heraus das genau dieser kleine Teil von Venedig so viele wunderschönen und vor allem authentischen Ecken hat. Es gibt einige sehr gemütliche Restaurants und Bars welche direkt an ruhigen Kanälen liegen, überall sind Einheimische unterwegs die von der Arbeit kommen und Menschenmassen sucht man vergebens. Am liebsten wäre ich geblieben, noch nie ist dieser Gedanke mir so oft gekommen wie auf dieser Reise. Am liebsten wäre ich sofort in diese kleine Wohnung mit Blick auf einen Kanal gezogen. Hätte die Zeit für immer vergessen und hätte jeden Tag italienische Salami und Pizza gegessen. Ich wäre zu dem Flohmarkt von der Kirche gegangen und hätte Einrichtung aus einer anderen Zeit gekauft, wäre gerne jeden Abend in diese kleine Bar am Kanal gegangen um ein Aperitif zu trinken. Ich hätte mir ein buntes Boot gekauft welches einen Platz am Kanal bekommen hätte. Aber wenn ich dieses Leben hätte, würde mir etwas fehlen. Venedig ist zwar voller Touristen, aber es ist durch und durch ein Ort zum träumen. Und ich habe bemerkt wie sehr ich es liebe zu träumen. Abends regnete es stark und ganz Venedig wurde auf einmal wieder Menschenleer. Auch ich überlegte rund eine Stunde ob ich nochmal rausgehen soll und fragte mich dabei ob ich die Sonne wohl nochmal sehen würde. Ganz Venedig war nass aber dafür super leer, ich lief zum Ufer  und es war fast niemand unterwegs. Es hatten sich einige Pfützen gebildet und die Wellen im Meer waren etwas höher. Der Himmel färbte sich dunkelblau und im Hintergrund sah man wie die Sonne feuerrot war, jedoch konnte man sie leider nicht sehen. Am Tag davor hatte ich einen wunderschönen Sonnenuntergang erleben dürfen, ich lief immer der Sonne hinterher und suchte nach traumhaften Licht. Ich hörte Musik, war alleine und einfach happy.

Viele Menschen mögen es nicht alleine zu sein oder könnten sich niemals vorstellen alleine zu verreisen. Aber alleine zu reisen hat einfach was, man vergisst alles und kann sich einem Ort komplett hingeben. Ich möchte unbedingt nochmal alleine weg. Am liebsten an einen Ort der komplett fremd ist. An irgendeinen Ort da wo niemand unsere Sprache spricht, da wo alle Menschen anders aussehen, das Essen unvertraut ist und wo man sich vorkommt wie in einer anderen Welt. Einfach mal Lost sein, auch wenn nur für eine Woche. Sich von unseren Gewohnheiten für eine Zeit lang trennen. Durch Straßen laufen die nicht an unsere erinnern, von Menschen schräg angeschaut werden und ohne festes Ziel ein Land erleben. Die Kamera und ich, das wäre mein neuer, kleiner Traum.  Diese 3 Tage in Venedig haben mich noch mehr in diese Stadt verlieben lassen. Vielleicht habe ich auch sowas wie eine Muse gesucht für die Fotografie. Noch nie hat mich ein Ort so sehr inspiriert und zum träumen gebracht wie diese Stadt. Ich könnte noch Wochen durch die Gassen laufen, Musik in meinen Ohren hören und ohne Plan in den Straßen dem Licht hinterher jagen. Wenn man alleine unterwegs ist hat man Zeit zum nachdenken und ich fragte mich oft ob ich vielleicht auch in deiner Gedankenwelt existiere? 

 

 

Always this Late + Licht + Venedig = Für immer in meiner Erinnerung

Was für ein geiler Moment.

     

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