1001 Nacht ?

Da saß ich nun, alleine auf einem Dach irgendwo Mitten in der Medina von der roten Stadt: Marrakech. Wir hatten eine Sternschnuppe gesehen, sie leuchtete stark und verbrannte hellrot am Ende. Wunderschön zum anschauen und dennoch von so einer kurzen Dauer. Sekunden der Schönheit. Kaum Zeit um einen Wunsch auszusprechen oder gar daran zu denken. Trotzdem hatte die Sternschnuppe starke Ausstrahlung, es war die erste die ich so intensiv gesehen habe.

Marrakech ist ganz anders wie ich es mir vorgestellt habe, es ist fremd und noch sehr untouristisch. Eine seltsame Mischung aus verschiedenen Städten in der Welt: Venedig, Istanbul und Asien an einem Ort. Die Medina, die Innenstadt von Marrakech, gleicht einem arabischen Labyrinth, ein Ort mit gefühlt tausenden von Menschen mit den verschiedensten Gesichtern. Dennoch sehen sie sich so ähnlich.  Arabisches Frauenhaar sieht man nur selten auf der Straße, da sie von den Kopftüchern geschützt werden, einige Frauen tragen eine Verschleierung. Jeder dieser Menschen hat eine Geschichte zu erzählen, nur zu gerne hätte ich ein paar gehört, jedoch reicht mein arabisch und französisch dafür nicht aus. Es bleibt bei einem mercy beaucoup oder dem arabischen shakar. Welche Geschichten das genau sind und was sie darin bewegt hat können wir nur erahnen. Diese Stadt ist voller fremder Gerüche die durch die Gassen wandert, ich würde sie als eine Mischung aus Safran und kompletter Fremde beschreiben. Auf der Straße tummeln sich viele Menschen, leben nicht wie es gesagt wird ausschließlich in den abgeschlossenen Riads sondern draußen in der frischen Januar Luft. Da sind Kinder die in den engen Gassen Fußball spielen, da sind alte Männer die mit ihren Karren voller Brot durch das Abendlicht fahren und Frauen die frische Gewürze einkaufen. Überall ist was los. Wenn zum Gebet aufgerufen wird fühlt man sich befremdlich und hört den lauten Gesang der Moschee. 

Es ist spät, 5:11 und ich kann nicht schlafen. Gute Nacht von einer kalten Dachterrasse in einem wunderschönen Riad. 

Frühstücken um 12, kein Problem, denn die Sonne wärmt sowieso erst um die Mittagszeit. Nachts ist es kalt um die 4 Grad und am Tag heizt die Sonne den Boden auf 22 Grad auf. Es bleibt lange warm und um 14 Uhr erreicht die Sonne den wohl wärmsten Punkt an diesem Januar Donnerstag. Langsam wenn man sich an einen Ort gewöhnt hat, versucht man ihn mit einem genaueren Auge anzuschauen. Durch Instagram wird anderes vermittelt als es der Realität ist. Es ist viel authentischer und echter. Nichts ist perfekt und vieles in dieser Stadt scheint noch mitten in der Entwicklung zu stehen. Marrakech ist ein Ort der in einigen Jahrzehnten anders aussehen wird, da bin ich mir sicher.

Wenn man ein paar Gläser Wein zu viel hatte und dann auf das Dach des Riads klettert um den wunderschönen Sonnenuntergang noch besser zu sehen, jedoch dann feststellt das man nur ein kleines etwas ist. Ein kleines etwas zwischen tausenden von Menschen die in dieser Medina wohnen. Ein kleines etwas was gerade den Sonnenuntergang besser sehen möchte und dabei ihn zu hundert fach fotografiert. Der erste Stern leuchtet und wir schauen zu wie er langsam am Himmel vorbeizieht: der Abendstern. Bunte Farben sind am Himmel zu sehen und sie mischen sich zusammen zu einem dunklen Schwarz, verschwinden langsam am Horizont und alles was daran erinnert bleibt nur noch in unserer Erinnerung oder auf meiner Speicherkarte. 

Georg trug seine orangefarbige Mütze die einen einzelnen Bommel hat der wunderbar runterhängt. Dazu seine neue Jacke die er direkt aus den Souks ergattert hat, sie stand ihm gut und lies ihn noch mehr aussehen wie ein Bunter Hippie. Sein Kleiderschrank ist voller kleiner und großer Fundstücke. Dort findet man Shirts die in verschiedenen Farben gebleicht sind oder eine Kapuzenjacke ohne Ärmel, aber dafür mit lila Pailletten auf der Kapuze. Seine recht große Hut und Mützenauswahl macht mir ebenfalls Freude. Wenn man frühere Fotos von ihm anschaut hat er sich in den späteren Jahren immer wieder komplett verändert, aber ist trotzdem irgendwie der alte geblieben. Er trug mal blonde längliche Haare oder auch einen kurzen Raspelschnitt. Durch Australien zog er mit einer weiten Hippie Hose, diese die fast komplett bis zum Boden hängen, jedoch trug er auch schicke Hemden in Restaurants. Er erinnert mich immer wieder an mich selbst. Ich denke er verstellt sich nicht, er hat zwar verschiedene “Gesichter”, aber jede passt zueinander, sie ergaben ein gesamtes Bild und kein Durcheinander. Er ist kein offenes Buch, aber ich lese nur zu gern darin und erfahre Tag für Tag mehr. Ich lese und lese. Seine langen Wuschelhaare hängten aus der Mütze, dies betonte sein Gesicht insgeheim. Da oben auf dem Dach habe ich ihn gebeten ein paar Fotos von mir zu machen und ich merkte mir diesen schönen aber simplen Moment. Es war unterhaltsam ihn mit dieser Mütze und meiner Kamera zu sehen. Sein Lächeln spitze seitlich bei dem Fotogerät durch und ich musste zurück lächeln. Er hat dieses große Grinsen, was sich komplett über das ganze Gesicht schmiedet. Es macht Spaß es anzuschauen und reist einen mit, für mich strahlt es gleichzeitig Geborgenheit aus.
Kurz darauf gingen wir mit unseren Bademänteln ins Hammam des Riads. In der Mitte war ein großes Becken wo man warmes oder kaltes Wasser eingießen konnte und durch den ganzen Raum türmten sich alte Säulen. Die Besitzer des Riads gaben uns eine große Schale mit einer Seife die eine recht seltsame Konsistenz hatte, sie roch fremd und war bräunlich. Wir füllten das Becken mit heißem Wasser und genossen die Wärme. Überall stieg heißer Dampf empor und erinnerte an ein Dampfbad. Es war eine Mischung aus japanischer Onsen, einem klassischen Dampfbad und natürlichem einem Hammam.

Die Frage 1001 Nacht? kann ich mit einem glatten Ja beantworten. Das übernachten in einem Riad in Marrakech ist eine wunderbare arabische Erfahrung. Diese Erinnerungen waren romantisch, fremd und hin und wieder wurde ich an Aladdin erinnert. Eine wunderschöne Alternative zum Wellnessurlaub. Marrakech an sich ist hochinteressant, bietet gutes Wetter und verspricht gleichzeitig einen kleinen Kulturschock.

 

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