Life Reisen

Der Norden

Mit dem letzten Blogeintrag über diese Reise wollte ich mir besonders viel Zeit lassen. Wollte erstmal verarbeiten, was alles passiert ist. Ja, so ein Single-Selbstfindungstrip hat schon was Besonderes. Man macht sich verschiedene Gedanken, ist viel alleine und reist. Und tatsächlich kann ich über diese Reise wirklich nur Positives erzählen. Es ist zwar nicht immer alles glatt gelaufen, aber ich denke genau das gehört da eben dazu.

Nach Koh Tao bin ich auf Koh Phangan gefahren und war endlich in meinem Bungalow. Es war eine wirklich einfache Unterkunft, es gab nur kaltes Wasser und keine Klimaanlage. Abends sind Käfer und Eidechsen ins Zimmer gekrochen. Dafür war das Bungalow direkt an einem traumhaften Strand und das kleine Holzhaus befand sich oben an einem Hang. Zudem hatte der Bungalow traumhaftes Licht am Abend, eine Hängematte auf der Terrasse und die Thais in der Anlage wussten schon bald meinen Namen. Das Restaurant war direkt am Meer, es gab jeden Morgen knusprigen Toast mit Peanutbutter für mich- manchmal auch einen wunderbar frischen Obstsalat. Die alte Thai Lady schrie den ganzen Tag „Huhu Huhu, Massage“. Ich stand jeden Morgen auf und machte je nach Lust und Laune mein Workout, setzte mich anschließend an den Strand und genoss die Hitze. Außerdem bin ich wieder auf den Roller gestiegen und habe die Insel erkundet. Mein Lieblingsstrand auf der Insel war bei Koh Ma im Norden. Ich habe gefaulenzt und „Das Leiden des jungen Werthers“ gelesen. Als ich zurückgefahren bin, habe ich wunderbare Musik gehört und einfach den Moment genossen. Dann ist die Sonne untergegangen, bin ich zum Dorf gefahren und habe die Einheimischen oder mich selbst im Bungalow fotografiert. Am Ende der Woche ist meine Freundin Ann-Kathrin mit ihrem Freund angereist. Wir haben in ihrer fancy Bungalowanlage am Pool gechillt und sind abends zu den berühmten Nightmarkets gefahren. Koh Phangan war gut. Ich habe so viel nachgedacht- unendlich viel nachgedacht und das auch bewusst zugelassen. Das war gut, ich habe viel aus dieser Insel gelernt- vor allem über mich selbst. Ich habe mich verändert- sowohl äußerlich, als auch innerlich. Bin in Beauty Salons gegangen und habe alles Mögliche verändern lassen. Ich habe mir Ohrringe gekauft und neue Kleidung. Irgendwie habe ich wohl diese Zeit für mich gebraucht. Koh Phangan hat sich wirklich wie Urlaub angefühlt. Ich war weit, weit weg von Zuhause an einem ganz eigenen, von der Ruhe durchfluteten Ort.  

Danach wollte ich komplett in die Thailändische Kultur eintauchen und habe mir dafür Pai als Ziel ausgesucht. Dazwischen verbrachte ich noch einige Tage in Bangkok-welche wunder-wunderschön waren. Es ging mit einem 18 Stunden Trip in den Norden von Thailand. Erholt durch die Fahrt im Nachtbus kam ich also in der Hippie Hauptstadt von Thailand an. Ich schlenderte durch die Gassen und hörte Musik aus einem der Cafés. Mitten in einem Random Place saßen da Thais und Westliche. Sie machten Musik. Ich setze mich dazu und wir sangen gemeinsam Lieder. „This is a really romantic way to ask a girl for a hookup“. Der Thai mit den langen Locken spielte „Candy“. Abends lud er mich ins Jazz House ein wo es noch mehr Musik geben sollte. Da ich zufälligerweise dort geschlafen habe, war ich neugierig und wollte mir das ganze mal anschauen. Die Straßen von Pai wurden für die westlichen Gäste aufgeputzt und es gab überall thailändische Snacks zu kaufen. An der Straße tümmelten sich Künstler und machten verrückte Sachen mit ihren Instrumenten.

Im Jazz House kamen wohl die interessantesten Menschen überhaupt zusammen, sie sangen und spielten ein grandioses Lied nach dem anderen. Genau das, wollte ich eigentlich nicht erleben. Im Gegenteil: ich wollte die Thais sehen. Wie sie wirklich leben, wie sie wirklich sind, ungeschönt und nicht in dieser kleinen Pai Blase. Ich war begeistert, jedoch gleichzeitig auch enttäuscht. Spontan packte ich am nächsten Tag meine Sachen und reiste nach Chiang Mai weiter. Eigentlich habe ich diesen Ort gemocht, aber ich wollte einfach etwas anderes in diesem Moment. Diese ganzen Hippies, diese ganzen Touristen auf der Suche nach etwas Abgefahrenem. Das war mir zu viel, es kam mir etwas unreal vor.  

Chiang Mai dagegen hat mich begeistert. Dieser Ort hat alles erfüllt was Pai nicht erfüllen konnte. Ich lieh mir an einem Tag ein Fahrrad aus und erkundete die Stadt im Alleingang, bin unendlich viel gefahren und habe die Thais so erlebt wie sie wirklich sind. Habe Märkte besucht, habe einen Fotokurs für Streetphotography belegt, habe gutes vegetarisches Essen gegessen, bin mit zwei anderen Mädels auf einen Tempel hochgewandert und habe eine wunderbare Aussicht genossen. Ich hatte immer meine Kamera dabei und habe so viel fotografiert wie noch nie. Ich habe Licht sowie meine Fotografie neu entdeckt. Das Hostel ließ mich nicht ruhig schlafen, so habe ich Nachts um eins ein thailändisches BBQ genossen. Ich habe lachende Thais gesehen, traurige Thais, Thais die Jazz machen, kreative Thais, Thais die beten, Thais die Essen vorbereiten, junge Thais, alte Thais und glückliche Thais. Chiang Mai war der Inbegriff von Thailand.

Bangkok war die letzte Station dieser Reise und nach einer Empfehlung landete ich für ein Bier im „Flapping Duck“- ein kleiner Geheimtipp direkt am Wasser in der Altstadt. Wenn man alternative Menschen sucht, dann wird man sie hier finden. „Es gibt nur 5 Südkoreaner die Ditscheridu in Korea spielen, das hier ist einer davon“. Loca war sein Name und seine Band war komplett verrückt. Zusammen hatten sie erst in Goa gespielt und nun in Thailand. Im Flapping Duck habe ich auch Lukas und Ari kennengelernt. Ich habe sie wohl nicht gesucht, aber durch Zufall gefunden. Wir waren wirklich ein tolles Team und haben Bangkok zusammen erlebt. Der letzte Abend war für mich ein wunderbarer Abschluss dieser Reise. Wir gingen mit Suzan und „dem Inder“ in eine der Rooftop Bars und danach ins Rotlichtviertel, waren in einem super schlechten Strip Schuppen und haben danach in der Altstadt zu Bob Marley getanzt. So habe ich mich von Thailand verabschiedet und es war genau richtig. 

Ich schätze man muss nun über die goldenen Erkenntnisse einer Standard-Single-Selbstfindungsreise schreiben, oder? Ich denke das behalte ich für mich. Wenn ihr allerdings herausfinden wollt, was es da zu finden gibt, müsst ihr wohl auch mal alleine auf die Reise begeben. Nicht jeder braucht so einen Trip, aber ich habe ihn definitiv gebraucht. Es war eine gute Reise und ich will, dass das sie besonders bleibt. Ich möchte das auch nicht jedes Jahr wiederholen. 

 

Ich hoffe diese kleine Serie und die Geschichten dazu haben euch gefallen. Viel Spaß beim Schauen! 

 

 

 

 

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