Fotoshooting Life

Deep Talk & Sonnenuntergänge

Ein paar Geschichten von früher, einfach nur darüber wie verschieden man sein Leben leben kann. 

Auf einer Party ist mir ein früherer Bekannter über den Weg gelaufen, wir haben nie wirklich viel miteinander zutun gehabt aber er war ein super offener Mensch und erzählte mir einwenig über sein Leben und was da so passiert ist. Er hat keine Lust Schema A zu leben und möchte genau so leben wie er sich das vorstellt. Sein Leben: Familienpapa aber dennoch anders. Er geht mit einem Shirt wo eine riesige Hanf Pflanze abgebildet ist zu einem 2 Tage Reggea-Kids-Festival, er zeltet dort mit seiner Familie, chillt und genießt das Wochenende. Er lebt sein Leben nicht so wie es andere von ihm erwarten. Er ist so, seine Familie ist so. Ganz einfach. Und er ist glücklich damit. 

Bei einer Hochzeitsfeier in Fürth wurde ich mit der Familie der Braut und den Cousins an einen Tisch gesetzt, um immer einen guten Aussichtspunkt auf das Geschehen zu haben. Beim Abendessen kam ich mit zwei Brüdern ins Gespräch. Der eine von ihm war Musiker, spielte Gitarre und Klavier und liebte seinen Beruf. Er erzählte mir eine der schönsten Geschichten die ich je gehört habe. Als er jünger war ging er in ein Café in Berlin und bestellte sich einen Kaffee, er wurde von einem jungen Mädchen bedient die seine Bestellung aufnahm. Anschließend brachte das Mädchen den Kaffee mit zitternden Händen an seinen Tisch, er fragte sie nach einem Job und hat angefangen in diesem Café zu arbeiten. Die beiden lernen sich kennen und verliebten sich ineinander, später erzählte sie ihm das sie ab dem Moment als er ins Café reinkam wusste das er es ist. Das er der eine für sie ist. Sie war Künstlerin, malte unheimlich gerne und betrieb auch noch dieses Café in Berlin. In diesem Café spielten sie Abends Jazz, sie arbeiteten dort zusammen und sie verliebten sich dort. Er war beeindruckt von ihr, sie war erst Ende 20 und machte all diese ganzen Sachen. Sie war kreativ, frei und lebte einfach ein Leben wie sie es sich vorstellt. So wie es das Schicksal wollte gaben sich die beiden das Ja Wort einige Jahre später – in diesem Café in Berlin. Natürlich, wo sonst? Da sich die beiden Kinder wünschten und ein tolles Umfeld dafür aufbauen wollten entschieden sie sich im Allgäu zu leben. Sie kehrten nach 13 Jahren Berlin den Rücken und zogen ins ländliche Südbayern. Seitdem leben sie mit ihren zwei Kindern glücklich auf dem Land. 

Gestern Abend saß ich auf dem Balkon, außen waren es nur 19 Grad und ich wickelte mich mit vielen Decken ein. Ich überlegte mir was wohl die dritte Geschichte wäre. Ich hatte einige solcher Geschichten in den letzten Wochen gehört, irgendwie habe ich versucht besonders gut zuzuhören. Da war meine Freundin die gezielt nach England umzog um Zoologie zu studieren, sie liebte Tauchen und die Unterwasserwelt. Mit ihrem Freund rettete sie eine kleine Straßenkatze auf einer kleinen Insel neben Bali und brachte sie mit einem Boot zum Tierheim. Da war eine andere Freundin die gezielt mit jungen Jahren heiratete weil es ihr Herz das sagte. Da war ein Freund der so viel Geld verdienen möchte um mal seine eigene Electro Disko aufzumachen. Da war meine Schwester die gezielt die Fotografie liebte und sich auch genau für diese Leidenschaft entschieden hat. Und da war eine andere Freundin die einfach glücklich sein möchte in ihren eignen vier Wänden und ihrem Freund. Je länger ich über die dritte Geschichte nachgedacht habe, desto mehr habe ich verstanden das es keine dritte Geschichte gibt. Es sind viel mehr als drei Geschichten, es gibt unzählige davon. Wir müssen einfach die Geschichte finden die uns glücklich macht. Unsere eigene Geschichte. Die uns ausfüllt, egal wie sie auch aussehen mag. Egal ob man als Reporter in München leben möchte, ob man eine Großfamilie gründen möchte, ob man als digitale Nomade durch die Welt ziehen möchte oder ob man erfolgreiche Schlagersängerin sein möchte. Als ich da saß und dem schönen Regengeräusch zuhörte dachte ich nach wie viele Menschen ich schon getroffen hatte durch meine Arbeit. Mindestens 70 große Hochzeiten mit rund 70 Gästen, das sind um die 5000 verschiedenste Menschen. Jede von ihnen hatte ein eigenen Weg und eine eigene Geschichte zu erzählen. Wie diese Geschichte auch aussehen mag, das Ziel sollte glücklich machen. Das wünsche ich allen von uns! 

 

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Und an einem Abend, nach dem Fotoshooting in Arta, fuhr ich mit diesem kleinen, schwarzen Fiat 500 zurück zu meinem Hotel nach Peguera. Es war eine engere Landstraße und an mir zog eine wunderschöne Landschaft nach der anderen vorbei. Genau so ist Mallorca im Sommer, es ist etwas trockenes, etwas südländisches. Es erinnert mich an guten Wein, Tapas die frisch gemacht wurden und an einen salzigen Geruch im Wind. Egal an welchen Strand man auch hingeht, wenn der Wind weht bekommen die Haare eine wunderschöne Struktur und den Geruch vom frischen Meeressalz. Wir waren mit Julian und Nina zuerst in Arta und anschließend an einem steinigen Strandabschnitt wo fast keine Menschen waren. Der Wind wehte dabei ganz sanft und die Sonne ging ganz langsam unter, wir suchten nach tollen Orten zum fotografieren und hatten einfach Spaß an der Fotografie. Diese beiden waren toll, sie waren locker, unkompliziert und leicht zu begeistern. Drei Eigenschaften die ich besonders mag. Immer mal wieder trifft man Menschen wo die Chemie einfach stimmt. Wir unterhielten uns ab der ersten Sekunde über Gott und die Welt, sie erzählten mir ihre sehr rührende und emotionale Liebesgeschichte und die beiden hatten Feuer und Flamme gefangen für das fotografieren. Es war ein kleines Abenteuer-Couple-Shooting und ich liebte es. Die Sonne verabschiedete sich langsam und wurde feuerrot, so rot, so so so rot. Genau das war der schönste Sonnenuntergang meines Lebens. Ja ich hatte ihn erlebt, den schönsten Sonnenuntergang dieser Welt. Es war nicht in einem exotischen Land bei irgendeinem romantischen Abendessen, nicht mit meinen Freunden in Amsterdam, nicht in Deutschland mit meiner Familie. DAS WAR ER. Er war da, auf Mallorca, er war knallrot, er war gigantisch, unendlich schön und einfach malerisch. Ich war alleine, fuhr diese Landstraße mit diesem kleinen Fiat 500 und hatte ein Treffen mit dem schönsten Sonnenuntergang meines Lebens. Und egal wie lange ich fuhr, die Sonne wurde immer schöner und schöner. 

 

 

 

 

 

 

 

 

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